

als mein Großvater um die Hand seiner zukünftigen Frau angehalten hat, da ging es nicht nur um Liebe, sondern auch darum, ob er in der Lage sein würde, eine Familie zu ernähren. Und umgekehrt wurde von meiner Großmutter erwartet, einen Haushalt führen zu können und Kinder großzuziehen. In dieser klaren Rollenzuteilung hatten beide ihr je eigenes Feld, in dem sie sich bewähren konnten und geachtet wurden – als erfolgreicher Mann und als gute Hausfrau und Mutter. Für die Frauen bedeutete es allerdings, dass sie auf die Hausfrauenrolle festgelegt waren – finanziell und gesellschaftlich weitgehend abhängig von ihren Männern.
MODERNE PARTNERSCHAFTEN
Heute ist es den meisten Frauen wichtig, einen Beruf zu haben und finanziell auf eigenen Füßen zu stehen. Auch um im Falle einer Trennung oder im Blick auf die Rente nicht mit leeren Händen dazustehen. Ebenso möchten viele Männer nicht nur für den Beruf leben, sondern sich auch im Haushalt und bei der Kindererziehung einbringen.
Die meisten Paare wollen die berufliche und die familiäre Arbeit gleichberechtigt und gleichwertig teilen.
Ich finde das einen wichtigen Fortschritt. Doch spätestens, wenn Kinder da sind, bestimmen auch die Finanzen die Arbeitsteilung. Wer mehr verdient – meistens die Männer – übernimmt dann in der Regel die Hauptverantwortung fürs Familieneinkommen. Und viele Mütter reduzieren auf Teilzeit, weil sie für ihre Kinder da sein möchten bzw. ausgleichen müssen, was an Betreuung in Kitas, Schulen etc. quantitativ und qualitativ nicht möglich ist.
Diese (teilweise) Rückkehr zu den alten Rollen liegt jedoch quer zum gesellschaftlichen Leitbild gleichberechtigter Partnerschaft. Die eigenen Lebensentwürfe und die Realität passen nicht zusammen. Das macht es für Paare schwer, die gegenseitigen Erwartungen zu erfüllen. Vor allem in Stresszeiten nimmt man dann nur noch die eigene Situation wahr und fragt sich: „Warum hängt eigentlich alles an mir? Und wird das, was ich einbringe, vom Gegenüber gesehen und wertgeschätzt?“

Was zählt mehr: Kinder zu ihren Hausaufgaben oder Mitarbeitende zu motivieren, die tausend to-dos für einen funktionierenden Haushalt im Blick zu haben oder die Buchhaltung für einen Betrieb zu machen?
Als Paar gerät man da leicht in die gesellschaftlichen Widersprüche, denn die gesamte Familienarbeit wird zwar von allen hoch geschätzt, bringt aber zugleich finanziell wenig ein. Hat also automatisch die Person, die sich um das Wohlergehen der Familie kümmert, die schlechteren Karten? Ist andererseits der berufliche Einsatz nicht auch „für die Familie“, denn ohne Geld ist schlecht haushalten?
Wie erlebt ihr das? Seid ihr zufrieden mit eurer Arbeitsaufteilung? Oder hättet ihr gerne eine andere Gewichtung? Was wäre die Konsequenz? Wo spürt ihr die Wertschätzung für das, was ihr tut? Wo dürfte es gerne ein bisschen mehr sein? Und wo findet ihr außerhalb der Familie Wertschätzung und Anerkennung für eure Arbeit?
Für mich ist neben all diesen Herausforderungen eine Ehe oder eine verlässliche Beziehung auch eine Chance, als Paar unsere eigenen WERTE zu verwirklichen. Wir müssen uns nicht einer einseitig ökonomischen BeWERTung unserer Arbeit unterwerfen. Da kann ein gelungenes Familienfest gleichwertig neben einem beruflichen Erfolg stehen.
Wenn jede:r das einbringt, was er:sie gut kann und zugleich bereit ist, auch unangenehme Arbeiten zu übernehmen, dann gibt es viele gute Modelle für ein gleichberechtigtes und gleichwertiges Zusammenleben. Das macht unser Leben WERT-voll und wir können gemeinsam das genießen, was wir zusammen erarbeitet haben.
Eure Mechthild Alber
Rottenburg-Stuttgart

Danke für...
Nehmt mehrere kleine bunte Zettel und schreibt darauf:
„danke für …“,
„das machst du ziemlich gut“,
„hast du schon gesehen, dass ich …“,
„damit hast du mich positiv überrascht“,
„das fällt mir schwer / leicht“….,
„ich würde gerne mehr …“,
„ich fühle mich von außen (Kolleg:innen, Mainstream, Familie …) weniger wert geschätzt, weil…“,
„ich bin froh, dass wir …“
(gerne noch weitere Satzanfänge überlegen)
- Legt dann die Zettel vor euch auf den Tisch, beginnt mit einem und erzählt euch abwechselnd, was euch dazu einfällt bzw. auf dem Herzen liegt. Das können Kleinigkeiten, aber auch große Dinge sein. Achtet darauf, v. a. das Positive in den Blick zu nehmen. Dann kommt der nächste Zettel dran. Das geht so lange, wie ihr das wollt. Am Ende könnt ihr euch gegenseitig rückmelden, wie es war, dies ausdrücklich zu hören.
Danke für...
Danke sag ich für den Kaffee am Morgen,
und dass du mir zuhörst,
wenn ich voller Sorgen.
Danke, dass du stets Ordnung schaffst
und die Müllabholung nie verpasst.
Danke, wenn´s wieder mal lecker schmeckt
und der Tisch so schön gedeckt.
Danke, dass du zur Arbeit gehst
und davon wirklich was verstehst.
Danke, dass du es nie vergisst,
wie mühsam das Fensterputzen ist.
Danke, dass deine Liebe auch dann,
wenn ich mal gar nichts tue, groß sein kann.
Du bist für mich da, grad so, wie du bist
Das ist dein größtes Geschenk an mich!
(von Mechthild Alber)
Das Gedicht könnt ihr euch hier auch als Lied anhören.
Tipps:
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