

zwei Menschen, die sich ineinander verlieben, sagen Ja zueinander. Wenn diese Liebe in eine Ehe mündet, werden sie am Standesamt und in der Kirche gefragt, ob sie diesen Bund eingehen wollen. Erst durch das Ja wird der Ehebund offiziell.
Bei der kirchlichen Hochzeit werden jedem Paar gleich mehrere Fragen gestellt. Sie werden gefragt, ob sie nach reiflicher Überlegung und aus freiem Entschluss gekommen sind, ob sie einander die Treue halten wollen und ob sie bereit sind, Kinder anzunehmen, die Gott ihnen schenken will. Die letzte Frage in der katholischen Trauzeremonie lautet:
„Seid ihr beide bereit, als christliche Eheleute Mitverantwortung in der Kirche und in der Welt zu übernehmen?“
Am Standesamt wird man nicht danach gefragt, ob man Verantwortung für Andere und die Gesellschaft übernehmen will. Umso überraschender die Frage in der Kirche. Wir wollen doch nur heiraten; diesen einen Menschen, den wir lieben und der nun neben uns steht. Was hat diese Frage von Kirche und Welt mit unserer Ehe zu tun?
Bei unserer eigenen Hochzeit vor 20 Jahren haben uns diese Fragen sehr beschäftigt. Liebe und Treue, ganz klar. Kinder haben wir uns auch gewünscht. Die Frage nach der Mitverantwortung in der Kirche und der Welt war für uns zunächst schwer fassbar, da wir in erster Linie an unsere Ehe als privaten Bund dachten. Mit der Zeit wurde uns jedoch deutlich, dass wir als Paar Verantwortung für das größere Ganze tragen. Wir haben uns deshalb überlegt, dass im Gottesdienst bei den Fragen der Priester im Mittelgang der Kirche steht, und wir haben uns zum Beantworten der Fragen zu unseren Familien und Freund:innen umgedreht. Damit waren unsere Hochzeitsgäste nicht mehr nur Zuschauer:innen einer Zeremonie, sondern Teil unseres Eheversprechens.
Es wurde für uns alle deutlich: Als Paar sind wir nicht nur für uns selbst da und wollen es auch gar nicht sein. Wir hoffen, dass alle Paare das spüren können: Als Paar und so, wie wir miteinander unser Leben gestalten, sind wir Teil dieser Welt. Wie die Welt, unser Umfeld in Beruf und Freizeit, unser Alltag auch etwas mit uns machen, können auch wir als Paar etwas hineingeben in Gesellschaft und Kirche.
Die Frage aus dem Traugottesdienst kann unseren Blick über uns als Paar hinaus weiten. Die WERTE, die wir als Paar miteinander leben, wirken nach außen. Wenn wir als Paar gleichberechtigt miteinander leben, dann respektieren und fördern wir uns gegenseitig. Das wird auch in der Erziehung der Kinder und darüber hinaus spürbar. Es bedeutet auch, dass wir einander Freiräume schenken. Entweder, um Zeit für sich zu haben oder um sich um andere(s) zu kümmern: in einem Ehrenamt oder aber auch ganz nah in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft.

Gerade heute wird das umso wichtiger. Die Frage gewinnt an Bedeutung, je mehr wir Orientierung und Halt suchen in einer Gesellschaft und Welt, in der sich gerade alles verändert, Grenzen sich verschieben, Ungeahntes und längst überkommen Geglaubtes wieder hereinbricht. Wie wir als Paar miteinander leben und umgehen, für welche WERTE wir einstehen, was uns ausmacht – das prägt nicht nur unser eigenes Leben, sondern auch das, was wir nach außen ausstrahlen. Und das ist WERTvoll.
Im Traugottesdienst begegnet uns der Begriff „Mitverantwortung“, die wir als Paar in Kirche und in der Welt übernehmen sollen, das heißt aber auch: Wir müssen es nicht alleine machen, wir sollen mitmachen, mit anderen gemeinsam dazu beitragen, dass unsere Welt ein Stückchen lebenswerter wird. Wenn jede und jeder etwas einbringt, dann kann es gelingen, dass unsere Welt ein lebens- und liebenswerter Ort ist und bleibt.
Eure Theresa und Markus Reischl
München-Freising

Wir beide haben zum ersten Mal als Autorenpaar an der 7-Wochen-Aktion teilgenommen.
Es ist uns gar nicht so leichtgefallen, diesen Text gemeinsam zu schreiben.
Wir haben unterschiedliche Schreibstile, unterschiedliche Vorstellungen zu dem Text und dabei zu benennen, wo wir was beitragen in und für diese Welt. Da hilft nur aushandeln und immer wieder darüber sprechen. Aber es hat uns gegenseitig bestärkt, wenn der:die andere mir etwas zuspricht, was ich vielleicht selbst gar nicht so gesehen hätte.

Daher eine kleine Übung:
Nehmt eure Smartphones und schickt eurer Partnerin:eurem Partner über einen Kurznachrichtendienst
eine kleine (Sprach-)Nachricht, welchen einzigartigen Beitrag er:sie in dieser Welt leistet. Ja, das kann sich natürlich wie ein Kompliment anhören.
Tipps:
- Habt ihr Lust auf eine spirituelle Vertiefung zum Thema des Briefes? Die bekommt ihr hier!
- Erst später zur Aktion dazu gestoßen? Hier sind die bisherigen Briefe: Brief 1 | Brief 2 | Brief 3 |
- Ihr könnt euch hier auch während der laufenden Aktion noch anmelden und die Briefe per SMS oder Mail zugeschickt bekommen.
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